Zöllner 4.0 – Jobs im Fokus, Duales Studium beim Zoll

*Da Richard nach seinem Studium eventuell in sensiblen Bereichen arbeitet, möchte er seinen Nachnamen aus Sicherheitsgründen nicht nennen.

Wer Zoll hört, denkt an Beamte, die wie in der TV-Doku „Border Control“ am Flughafen Drogen aufspüren, geschützte Fischarten in Plastikbeuteln beschlagnahmen oder an  Autobahnen  Lkw- Fahrer und ihre Ladung kontrollieren. Das machen Zöllner tatsächlich. Aber längst nicht nur. Der deutsche Zoll beschäftigt beinah so viel Personal wie Deutschlands viertgrößtes Finanzinstitut, die Commerzbank, und mehr als doppelt so viel wie Deutschlands größter Stromerzeuger RWE – kein kleiner Laden also. Rund 43.000 Mitarbeiter kümmern sich in den bundesweit 41 Hauptzollämtern, acht Zollfahndungsämtern und bei  der  Generalzolldirektion darum, dass alle Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeitern Mindestlohn bezahlen, dass auf alle Waren, die ins Land kommen, Steuern   gezahlt werden, dass keine gefährlichen oder verbotenen Waren eingeführt werden und dass Produktfälschungen auffliegen. Die dem Zoll angegliederte Spezialeinheit „Financial Intelligence Unit“ sammelt und analysiert mögliche Fälle von Geldwäsche für den Staatsanwalt. Und deutsche Zöllner arbeiten zum Beispiel auch   bei der EU in Brüssel oder anderen internationalen Behörden, um etwa festzulegen, wie nach dem Brexit der  Warenverkehr  mit  Großbritannien funktionieren  kann  oder  wie  Handelsabkommen mit  Asien  oder  Nordamerika  in  allen  EU-Ländern praktisch umgesetzt werden. „Die möglichen Einsatzgebiete hier sind supervielfältig. Da kann jeder seine persönliche Nische finden“,stellt  Richard  fest.  Seit   anderthalb Jahren absolviert der 23-Jährige ein duales Studium zum gehobenen Dienst beim Hauptzollamt Berlin. Das duale Studium ist einer von drei möglichen Wegen, auf denen Berufseinsteiger zum Zoll kommen (siehe unten). „Der Vorteil: Während des Studiums durchläuft man viele Stellen zum Reinschnuppern und wird auf alles vorbereitet, sodass man nach dem Abschluss die Wahl hat“, erklärt der gebürtige Berliner.

„Ich hatte immer ein Faible für Berufe mit recht viel Verantwortung. Und da passt jetzt auch der Zoll gut rein.“
Richard, dualer Student beim Zoll

Nach seinem Abi startete er zunächst bei der Berufsfeuerwehr der Hauptstadt, musste die Ausbildung aber gesundheitsbedingt quittieren– schon allein für Brillenträger gelten bei Polizei und Feuerwehr ziemlich strikte Vorgaben.

Mittlerweile hat Richard das Grund-   und den ersten Teil des Hauptstudiums hinter sich. Einige Monate hat er dafür auch mit seinen 750 Kommilitonen an der Hochschule des Bundes in Münster verbracht – „bevor Corona uns alle ins Home-Studium zwang“. Schade, aber nicht zu ändern. Rund um Weihnachten standen Prüfungen zum Beispiel in Steuer- und Zollrecht und in verschiedenen BWL- und Managementfächern an.  Im Laufe des Studiums wird der Nachwuchs auch auf eine mögliche Laufbahn als Führungskraft vorbereitet. Nun steht für Richard die zweite Praxisphase an.  Die erste war schon anspruchsvoll: „Bei den Kollegen vom Zolltarifrecht ging es darum, für jede Ware, die ein- oder ausgeführt wird, die TARIC, die elfstellige Zolltarifnummer,  auszutüfteln und zu checken.“ Sie richtet sich zum Beispiel nach den Materialien, die in der Ware verwendet werden, und entscheidet darüber, wie viel Zoll berechnet wird. Da es dabei für den Staat, die Unternehmen und ihre Kunden um viel Geld geht, muss die Zuordnung exakt sein.

Einsatz im waffenführenden Bereich 

Noch mehr Eindruck hat bei Richard jedoch der Einsatz bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit Berlin gemacht – einer der sogenannten waffenführenden Bereiche beim Zoll. Etwa ein Drittel aller Positionen gehören in diese Kategorie.  „Dort waren wir mit Kollegen von der Polizei und dem Ordnungsamt unterwegs und haben zum Beispiel auf Baustellen überprüft, ob für alle Beschäftigten korrekt Abgaben wie zum Beispiel die Sozialversicherungsbeiträge abgeführt wurden.“ Den waffenführenden Bereich, bei dem es unter anderem darum geht, im Außeneinsatz Kontrollen durchzuführen, um etwa Schwarzarbeit zu bekämpfen, kann Richard sich später gut als Einsatzgebiet vorstellen. Jeder Absolvent kann nach erfolgreichem Studienabschluss als Dip-lom-Finanzwirt drei Wünsche äußern. Welcher Job und welcher Einsatzort es dann wird, das hängt vom jeweiligen Bedarf der Behörde ab.

Für jeden was Passendes dabei

„Das wäre eine gute Mischung für mich: ein ordentlicher Anteil Außeneinsatz, und dann kehrt man mit seinen Ergebnissen ins Büro zurück, um sie zu sichten und auszuwerten, bevor man bei Verdachtsfällen die Staatsanwaltschaft einschaltet“, sagt der angehende Zöllner. Wie man sich bei Durchsuchungen, Vernehmungen und Buchprüfungen richtig anstellt, trainiert der Nachwuchs während und auch nach der Ausbildung intensiv. Wem das trotzdem zu viel Action oder doch irgendwie zu gefährlich ist, der schaut sich vielleicht unter den gut zwei Dritteln anderer Positionen aus dem nichtwaffenführenden Bereich um. „Wie gesagt“, sagt Richard, „während des Studiums lernt man viele Einsatzbereiche kennen. Da findet man in je-dem Fall etwas, das zu einem passt.“

Kurz zusammengefasst: Das duale Studium beim Zoll 

Dauer: drei Jahre 
Verlauf: Grundstudium und drei Blöcke im Hauptstudium (an der Hochschule des Bundes, Fachbereich  Finanzen,  in  Münster),  dazwischen drei  Praxisphasen  in  den  Dienststellen, Gehalt: rund 1.500 Euro brutto/Monat 
Abschluss: als Diplom-Finanzwirt und Beamter   im gehobenen Dienst, Übernahme in der Regel   gesichert 
Bewerben: bei einem der bundesweit 41 Ausbildungshauptzollämter, immer ein Jahr im Voraus (für Start am 1. August 2022 lautet der   Bewerbungsschluss:  15. September 2021), 900 Plätze in 2021 
Voraussetzungen: Abitur oder Abschluss, der zum (FH-)Studium in NRW berechtigt, oder etwas Gleichwertiges 
Alternative Wege zum Zoll: duales Studium Verwaltungsinformatik (rund 30 Plätze im Jahr), Ausbildung im mittleren Dienst (ca. 1.400 Stellen pro Jahr) 

Infos (inklusive Talent-Scanner): www.zoll-karriere.de