Wie bewerbe ich mich um ein Praktikum? Wann steht mir der Mindestlohn für ein Praktikum zu? Was ist eigentlich ein Trainee? Du hast gerade viele offene Fragen rund um das Thema Praktikum und Bewerbung? Dann schau' in unserem Praktikumswiki vorbei. Hier beantworten wir dir alle wichtigen Fragen.

Vor dem Praktikum

Pflichtpraktikum: Was muss ich beachten?

Spaß an der Pflicht: Ein Pflichtpraktikum ist eine tolle Chance, um schon während des Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln.

In diesem Abschnitt beantworten wir folgende Fragen:

Rechtzeitig kümmern: Direkt zu Anfang in die Studienordnung schauen

Pflichtpraktika sind mittlerweile in vielen Studiengängen vorgesehen. Sie sind eine gute Möglichkeit, um schon während des Studiums die gelernte Theorie in die Praxis umzusetzen. Schau am besten direkt zu Anfang in deine Studienordnung, damit du dich rechtzeitig um einen geeigneten Praktikumsplatz kümmern kannst. Meist stehen dort konkrete Bestimmungen zur Dauer und zu den Inhalten des Praktikums. Oft gibt es einen  Praktikumsbetreuer, der dich berät und weiß, ob dein geplantes Praktikum wirklich allen Kriterien entspricht, um von der Hochschule anerkannt zu werden. Du kannst dich aber auch bei der Studienberatung informieren.

Achtung: In manchen Fächern muss ein Pflichtpraktikum schon vor Studienbeginn abgeschlossen werden. Das ist vor allem an Fachhochschulen üblich.

Zeitplanung: Die Dauer des Praktikums hängt vom Studienfach ab

Wie lange du das Praktikum machen musst, hängt von deinem Studienfach ab: Generell sind mehrere Wochen üblich, es kann aber auch ein komplettes Praxissemester sein. In der Studienordnung sind Dauer, Ziele und Inhalte der vorgeschriebenen Praktika in der Regel genau festgelegt.

Geldfragen: Praktikanten brauchen Geld

Gehalt / Mindestlohn

Ab dem Januar 2015 gilt für Praktikanten der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde mit einigen Ausnahmen. Zu diesen zählt auch das Pflichtpraktikum.

Trotzdem kann es sich lohnen, den Praktikumsanbieter darauf anzusprechen. Faire Arbeitgeber verpflichten sich dazu, ihren Praktikanten ein Gehalt oder zumindest eine adäquate Aufwandsentschädigung zu bezahlen. Solche Praktikumsstellen findest du zum Beispiel in der Fair Company- Stellenbörse.

Bafög

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (kurz: BAföG) regelt die staatliche Unterstützung für die Ausbildung von Schülern und Studenten. Umgangssprachlich ist meistens die studentische Ausbildungsförderung gemeint.

Du bist Bafög-Empfänger und bekommst ein Praktikumsgehalt? Dann musst du dich unbedingt erkundigen, ob sich das auf deine Leistungen auswirkt. Es kann sein, dass du dadurch mehr verdienst als erlaubt ist und dir Leistungen gekürzt werden. Falls dir durch das Praktikum zusätzliche Ausgaben entstehen, werden diese aber natürlich angerechnet.

Stipendien

Einige Hochschulen, Betriebe und Stiftungen fördern Praktika finanziell: Stipendium – das klingt nach elitärem Zirkel, nach Abiturabschlüssen mit 1,0 und Streber-Lebensläufen? Ganz und gar nicht: Die Anzahl an Stipendien in Deutschland ist riesig und die meisten Stipendiengeber haben sehr spezifische Bewerbungsvoraussetzungen, die nicht viel mit Noten in Schule und Studium zu tun haben.

Gut vorsorgen: Wie du am Arbeitsplatz versichert bist

Unfallversicherung

Berufsanfänger machen schneller Fehler, das ist ganz normal, kann aber je nach Aufgabe fatale Folgen haben. Die gute Nachricht vorneweg: Praktikaten im Inland sind über den Bildungsträger beziehungsweise Arbeitgeber unfallversichert.

Doch was bedeutet das konkret? Wenn du zum Beispiel zur Arbeit gehst und auf Glatteis ausrutscht, dann kommt die Unfallversicherung für die anfallenden Kosten wie den Arzt, die Krücken und so weiter auf. Versichert bist du während der Tätigkeit am Arbeitsplatz, aber auch auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeit.

Wer die Beiträge für diese Versicherung übernimmt, hängt davon ab, wie das Praktikum organisiert ist:

  • 1.    Pflichtpraktika während der Schulzeit
    Wird das Praktikum von einer Bildungseinrichtung wie der Schule vermittelt, so gilt das Praktikum als Teil der Ausbildung und du bleibst im Versicherungsschutz der Unfallversicherung der Schule.
  • 2.    Pflichtpraktika während des Studiums
    Machst du als Student ein Praktikum, muss der Arbeitgeber sich um die Versicherung kümmern – dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein freiwilliges oder um ein verpflichtendes Praktikum handelt, auch die Dauer und Bezahlung sind unbedeutend.
  • 3.    Pflichtpraktikum im Ausland / nach Abschluss des Studiums
    In der Regel bist du hier nicht über die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Daher solltest du dich frühzeitig darüber informieren, ob du in deinem konkreten Fall abgesichert bist oder eine zusätzliche Versicherung abschließen musst.

Grundsätzlich geht es aber natürlich darum, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz zu verhindern. Jeder verantwortungsbewusste Arbeitgeber wird dich deswegen auch über mögliche Gesundheitsgefahren und Sicherheitsrisiken aufklären.

Sozialversicherung

Die Sozialversicherung ist ein gesetzlich geregeltes Versicherungssystem, das vor den großen Lebensrisiken und deren Folgen wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter, Betriebsunfällen und Pflegebedürftigkeit schützen soll. Die Beiträge zahlt normalerweise der Arbeitgeber bzw. Praktikumsgeber, auch wenn das Praktikum nicht vergütet ist. Bei einem Pflichtpraktikum während des Studiums entfällt die Sozialversicherungspflicht aber grundsätzlich – unabhängig von der Dauer des Praktikums, der wöchentlichen Arbeitszeit und des Gehalts. Das liegt daran, dass es sich hier aus rechtlicher Sicht nicht um ein "normales Arbeitsverhältnis" handelt, sondern um eine Ausbildung, die nur örtlich von der Hochschule in den Betrieb verlagert wird.

Die Beiträge zur Pflege- und Krankenversicherung fließen weiterhin direkt von deinem Konto an die jeweilige Krankenkasse. Aber: Solltest du mehr als 450 Euro pro Monat verdienen oder bereits über 25 Jahre alt sein, musst du dich selbst krankenversichern. Der Beitrag für Studenten ist bei allen gesetzlichen Krankenversicherungen gleich und liegt derzeit bei rund 80 Euro im Monat (Stand Januar 2015).

Urlaub und Krankheit

Während eines Pflichtpraktikums hast du keinen Anspruch auf Urlaub. Das heißt aber nicht, dass es nicht Arbeitgeber gibt, die dich wie einen normalen Arbeitnehmer behandeln und dir Urlaubstage gewähren – hier lohnt sich: freundlich nachfragen! Mehr zum Thema Urlaub erfährst du hier im Wiki.

Auch im Krankheitsfall muss dir dein Arbeitgeber das Gehalt nicht weiterzahlen, da Vergütungen von Pflichtpraktika auf freiwilliger Basis geleistet werden können und nicht vorgeschrieben sind.

Pflichtpraktikum vor oder nach dem Studium

In manchen Fächern muss ein Pflichtpraktikum schon vor dem Studienbeginn abgeschlossen werden: Das ist vor allem an Fachhochschulen üblich. Zur Anerkennung bestimmter Studiengänge (z.B. Ärzte, Lehrer, Juristen) sind Pflichtpraktika nach dem Studium notwendig.

Hier gibt es einige Dinge, die du wissen solltest. In diesem Beitrag werden die Abweichungen von der Norm erläutert, für allgemeine Informationen zum Pflichtpraktikum empfehlen wir den Abschnitt über studienbegleitenden Pflichtpraktikum.

Bei einem Praktikum vor Studienbeginn: Besonders früh informieren!

Die Zeitplanung ist bei einem Praktikum vor Studienbeginn besonders wichtig: Das Praktikum ist in der Regel die Voraussetzung, um dich überhaupt in das Studienfach einzuschreiben. Deswegen musst du dich besonders frühzeitig nach den genauen Bestimmungen erkundigen. Am besten machst du einen genauen Zeitplan, was wann gemacht werden muss. Der Prozess von der Bewerbung bis zum erfolgreich absolvierten Praktikum kann schnell sechs bis zwölf Monate dauern. Bedenke auch, dass der Anbieter deines Praktikums vielleicht ein bisschen länger braucht, um eine Bescheinigung auszustellen.  
Wie lange du das Praktikum machen musst, hängt von deinem Studienfach ab: In der Studienordnung sind Dauer, Ziele und Inhalte der vorgeschriebenen Praktika genau festgelegt.

Bafög

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (kurz: BAföG) regelt die staatliche Unterstützung für die Ausbildung von Schülern und Studenten. Umgangssprachlich ist meistens die studentische Ausbildungsförderung gemeint.

Vor dem Studium: Wenn du alle Voraussetzungen für  Bafög erfüllst, dann hast du im Falle eines zwingend erforderlichen Praktikums auch schon vor dem Studium die Möglichkeit, die finanzielle Förderung zu beantragen. Dabei musst du beachten, dass die Dauer der Förderung nur für den Zeitraum des Praktikums gilt. Bekommst du ein Praktikumsgehalt, wird das auf den Bedarf angerechnet.

Wie du Bafög beantragen kannst, erfährst du auf der dazugehörigen Seite vom Bildungsministerium oder beim Studentenwerk deiner Uni.

Nach dem Studium: Ein Pflichtpraktikum nach dem Studium kann nicht durch Bafög finanziert werden, weil aus rechtlicher Sicht deine Ausbildung damit beendet ist. Es werden keine Ausnahmen für Studiengänge gemacht, die ein zusätzliches Praktikum zur staatlichen Anerkennung eines bestimmten Abschlusses (z.B. Referendariat für Juristen oder Lehrer) voraussetzen. Bei diesen Praktika handelt es sich um verpflichtende Berufspraktika oder um besondere Ausbildungszeiten, die nicht in die universitäre Ausbildungszeit fallen.

Unfallversicherung

Studierende sind bei allen Tätigkeiten, die sich auf das Studium beziehen, gesetzlich unfallversichert. Deswegen gelten hier dieselben Regeln wie bei dem studienbegleitenden Pflichtpraktikum.

Kranken- und Sozialversicherung

Die Sozialversicherung ist ein gesetzlich geregeltes Versicherungssystem, das vor den großen Lebensrisiken und deren Folgen wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter, Betriebsunfällen und Pflegebedürftigkeit schützen soll.

Sind Vor- oder Nachpraktika in der Studienordnung vorgeschrieben, gelten sie zwar als Teil der Ausbildung, trotzdem wirst du als Praktikant wie ein "normaler Arbeitnehmer" behandelt. Das bedeutet, du bist in allen Zweigen der Sozialversicherung versicherungspflichtig – selbst wenn kein Gehalt gezahlt wird. Hier greifen die Regeln für geringfügig Beschäftigte.