Wie bewerbe ich mich um ein Praktikum? Wann steht mir der Mindestlohn für ein Praktikum zu? Was ist eigentlich ein Trainee? Du hast gerade viele offene Fragen rund um das Thema Praktikum und Bewerbung? Dann schau' in unserem Praktikumswiki vorbei. Hier beantworten wir dir alle wichtigen Fragen.

Vor dem Praktikum

Freiwilliges Praktikum: Was muss ich beachten?

Hinter die Kulissen schauen, Praxisluft schnuppern und dabei echte Initiative zeigen – das ermöglicht dir das freiwillige Praktikum!

Ein freiwilliges Praktikum ist der klassische Weg zur Berufserkundung: Es zeigt, dass du motiviert bist, planen und dich organisieren kannst, Ziele verfolgst und deine Karriere aktiv gestaltest. Außerdem ist es der perfekte Weg, um erste Kontakte in eine Branche zu knüpfen – daraus können sich später echte Jobchancen entwickeln.

Diese Freiwilligkeit kommt aber mit Rechten und Pflichten – denn es handelt sich quasi um ein reguläres Beschäftigungsverhältnis. Das bedeutet: Bei einem freiwilligen Praktikum bist du nicht in erster Linie Student, sondern Arbeitnehmer.

In diesem Artikel klären wir die folgenden Fragen:

Schritt 1: Erwartungen und Ziele klären

Bei einem freiwilligen Praktikum investierst du viel Zeit und Energie – um so wichtiger, dass du genau weißt, was du mit dem Praktikum erreichen willst.

Folgende Fragen können dir dabei helfen:

  • In welchem Bereich möchte ich das Praktikum machen?
  • Warum mache ich das Praktikum?

    • Orientierung: Ich möchte herausfinden, ob ein bestimmtes Berufsfeld zu mir passt.
    • Qualifikation: Mein Ziel ist es, mich besonders inhaltlich weiterzubilden und etwas dazuzulernen, was mir in meinem Studium so nicht möglich ist.
    • Networking: Ich möchte Kontakte in eine bestimmte Branche knüpfen.
    • Berufseinstieg: Das Praktikum soll eine Eintrittskarte ins Unternehmen sein, die im besten Fall nach dem Studium in eine Anstellung mündet.
    • Lebenslauf-Baustein: Das Praktikum ist Teil meiner Karrierestrategie (z.B. Top-Name) und bringt mich meinem Berufsziel näher.

  • Ist die Vergütung ein Kriterium für mich?
  • Welche Unternehmen kommen für mich in Frage?
  • Welche Werte in Bezug auf die Unternehmenskultur sind mir wichtig?
  • Passt das Praktikum in meinen Zeitplan? Schaffe ich all meine Verpflichtungen (Hausarbeiteten, Klausuren etc.)? Und wenn nicht, lohnt sich ein Urlaubssemester?

Die Qual der Wahl: Wer suchet, der findet

Wenn du weißt, was du willst – musst du nur noch einen passenden Praktikumsplatz finden. Hier sind zwei Wege zu empfehlen: Du kannst dich auf offene Ausschreibungen bewerben (eine Übersicht bietet zum Beispiel die Fair Company-Stellenbörse) oder du wendest dich direkt an das Unternehmen. Die meisten Unternehmen haben auf ihrer Webseite eine Karriererubrik, die über die Einstiegsmöglichkeiten und Bewerbung informiert.

Geldfragen: Praktikanten brauchen Geld

Gehalt/Mindestlohn

Um es krass zu sagen: Die Vergütung bei einem freiwilligen Praktikum konnte in der Vergangenheit je nach Qualifikation, Erfahrung und Branche zwischen Null und 1 200 Euro pro Monat liegen.

Um Ausbeutung vorzubeugen, hat die Bundesregierung nun ein neues Gesetz eingeführt: Seit dem 1. Januar 2015 gilt für Praktikanten, die ein freiwilliges Praktikum absolvieren, der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Es gibt allerdings einige Ausnahmen, die du im dazugehörigen Wiki-Eintrag genauer erläutert findest.

Doch welches Gehalt ist angemessen? Die Grundregel lautet: Umso mehr du im Unternehmen einsetzbar bist, umso wertvoller bist du für den Arbeitgeber – und das sollte sich auch in der Vergütung ausdrücken.

Bafög/Staatliche Leistungen

Das Praktikumsentgelt gilt als Einkommen und hat Einfluss auf Bafög, Kindergeld, Wohngeld, Waisenrente und Einkommensteuer. Du musst dich unbedingt bei den zuständigen Stellen über die geltenden Einkommensgrenzen und individuellen Bestimmungen informieren.

Für Bafög gelten je nach Zeitpunkt des Praktikums unterschiedliche Regeln. Die genauen Bestimmungen erfährst du bei deinem zuständigen Bafög-Amt. Hier nur in Kurzform:

Steht mir Bafög während meines freiwilligen Praktikums zu?
  • 1.    Freiwilliges Praktikum vor dem Studium
    Nein.
    So sinnvoll ein freiwilliges Praktikum vor dem Studium ist, einen Anspruch auf Bafög hast du dafür leider nicht.
  • 2.    Freiwilliges Praktikum in den Semesterferien
    Ja.
    Absolvierst du ein freiwilliges Praktikum in den Semesterferien, bekommst du ganz normal weiter deine Leistungen – da das Studium als nicht unterbrochen gilt.
  • 3.    Freiwilliges Teilzeitpraktikum während der Vorlesungszeit
    Ja.
    Wenn du während der Vorlesungszeit in geringem zeitlichen Umfang ein Praktikum absolvierst, bekommst du dein Geld ganz normal weiter ausgezahlt.
  • 4.    Freiwilliges Praktikum im Urlaubssemester
    Nein.
    Mit einem Urlaubssemester entfällt in der Regel dein Anspruch auf Bafög. Es kann je nach Bafög-Amt Sonderregelungen geben.
  • 5.    Freiwilliges Vollzeitpraktikum während der Vorlesungszeit (ohne Beurlaubung)
    Nein.
    Machst du ein Vollzeitpraktikum während der Vorlesungszeit bekommst in dieser Zeit kein Bafög.

Stipendien

Einige Hochschulen, Betriebe und Stiftungen fördern Praktika finanziell: Stipendium – das klingt nach elitärem Zirkel, nach Abiturabschlüssen mit 1,0 und Streber-Lebensläufen? Ganz und gar nicht: Die Anzahl an Stipendien in Deutschland ist riesig und die meisten Stipendiengeber haben sehr spezifische Bewerbungsvoraussetzungen, die nicht viel mit Noten in Schule und Studium zu tun haben.

Gut vorsorgen: Wie du am Arbeitsplatz versichert bist

Unfallversicherung

Berufsanfänger machen schneller Fehler, das ist ganz normal, kann aber je nach Aufgabe fatale Folgen haben. Die gute Nachricht vorneweg: Praktikanten im Inland sind über den Arbeitgeber unfallversichert.

Doch was bedeutet das konkret? Wenn du zum Beispiel zur Arbeit gehst und auf Glatteis ausrutscht, dann kommt die Versicherung für die anfallenden Kosten wie den Arzt, die Krücken und so weiter auf. Versichert bist du während der Tätigkeit am Arbeitsplatz, aber auch auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeit.

Grundsätzlich geht es aber natürlich darum, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz zu verhindern. Jeder verantwortungsbewusste Arbeitgeber wird dich deswegen auch über mögliche Gesundheitsgefahren und Sicherheitsrisiken aufklären.

Sozialversicherung

Die Sozialversicherung ist ein gesetzlich geregeltes Versicherungssystem, das vor den großen Lebensrisiken und deren Folgen wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter, Betriebsunfällen und Pflegebedürftigkeit schützen soll.

Grundsätzlich gilt:

Wer ein Praktikum absolviert, das die Voraussetzungen einer kurzfristigen Beschäftigung erfüllt, ist unabhängig von der Höhe des Verdienstes immer versicherungsfrei in allen Zweigen der Sozialversicherung. Der Arbeitgeber muss dann auch keine Pauschalbeiträge zahlen. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn die Beschäftigung von vornherein auf nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage (bis 31. Dezember 2014 sowie ab 1. Januar 2019: zwei Monate bzw. 50 Arbeitstage) im Kalenderjahr begrenzt ist und nicht berufsmäßig ausgeübt wird.

Sozialversicherung mit Gehalt unter 450 Euro

Muss ich einen Krankenkassen bzw. Pflegeversicherungsbeitrag zahlen?
Nein
, verdienst du bei dem Praktikum nichts oder weniger als 450 Euro (geringfügige Beschäftigung oder Minijob), dann bist du von der Kranken- und Pflegeversicherung befreit.

Muss ich in die Sozialversicherung einzahlen?
Nein
, freiwillige Praktika ohne Vergütung unterliegen nicht der Sozialversicherungspflicht (Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung). Sofern du vergütet wirst – bezahlt diese Beiträge allein der Arbeitgeber.

Versicherung mit Gehalt über 450 Euro

Muss ich einen Krankenkassen bzw. Pflegeversicherungsbeitrag zahlen?
Es kommt darauf an, ob du als Student oder Arbeitnehmer versichert bist.

Handelt es sich um ein freiwilliges Praktikum vor oder nach dem Studium, gilt:
Unternehmen und Praktikant teilen sich die Kosten. Den Sonderbeitrag der Versicherten zur Krankenversicherung von 0,9 Prozent musst du alleine aufbringen. Ab dem 23. Lebensjahr zahlen Kinderlose darüber hinaus einen Sonderbeitrag von 0,25 Prozent. Die Beiträge für die Kranken-, Pflege, Arbeitslosen- und Rentenversicherung werden automatisch vom Gehalt abgezogen.

Handelt es sich um ein freiwilliges Praktikum während des Studiums:
Während des Studiums bist du entweder in der Familienversicherung oder in der studentischen Pflichtversicherung.

Wichtig: Wer mehr als 450 Euro pro Monat verdient oder älter als 25 Jahre alt ist, kann nicht mehr über seine Eltern familienversichert bleiben. Dann musst du dich über die studentische Pflichtversicherung selbst krankenversichern. Der Beitrag für Studenten ist bei allen gesetzlichen Krankenversicherungen gleich und liegt derzeit bei rund 80 Euro im Monat (Stand Januar 2015).

Außerdem musst du beachten, dass du deinen Status als Student nicht verlierst. Das bedeutet: Das Praktikum ist nur begleitend zur Ausbildung und die Haupttätigkeit liegt im Studieren. Das ist der Fall, wenn die Arbeitszeit während des Semesters 20 Stunden in der Woche nicht übersteigt. Ausnahmen sind in Einzelfällen möglich.

Muss ich in die Sozialversicherung einzahlen?
Ja, verdienst du über 450 Euro, teilen Unternehmen und Praktikant sich die Kosten. Mit einer Ausnahme: Von der Arbeitslosenversicherung bist du als eingeschriebener Student befreit. Von der Rentenversicherung kann man sich unter bestimmten Bedingungen befreien lassen.

Deine Anteile sind jedoch geringer, wenn du nur zwischen 400,01 und 800 Euro verdienst (so genannte Gleitzone).

Arbeitsrecht: Urlaub, Krankheit und Unfallversicherung

Während eines freiwilligen Praktikums hast du einen Anspruch auf Urlaub und ein Zeugnis sowie auf die allgemeinen Arbeitnehmerrechte (z.B. Lohnfortzahlung bei Krankheit und Urlaub). Ausnahmen gibt es laut Berufsbildungsgesetz nur beim Kündigungsschutz.

Bei einem Praktikum im Rahmen einer Abschlussarbeit oder eines Auslandsaufenthaltes gelten Ausnahmen: In der Regel bist du hier nicht über die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Daher solltest du dich frühzeitig darüber informieren, ob du in deinem konkreten Fall abgesichert bist oder es sich lohnt, eine zusätzliche Versicherung abzuschließen.