Wie bewerbe ich mich um ein Praktikum? Wann steht mir der Mindestlohn für ein Praktikum zu? Was ist eigentlich ein Trainee? Du hast gerade viele offene Fragen rund um das Thema Praktikum und Bewerbung? Dann schau' in unserem Praktikumswiki vorbei. Hier beantworten wir dir alle wichtigen Fragen.

Vor dem Praktikum

Was ist ein Assessment-Center?

Um einen Praktikumsplatz zu bekommen, musst du mittlerweile eigentlich immer ein Vorstellungsgespräch absolvieren. Bei besonders begehrten Plätzen in großen Unternehmen kann es sein, dass du sogar zu einem Assessment-Center eingeladen wirst.

Versuche dich im Vorfeld über das Assessment Center deines Unternehmens zu informieren

Ein Assessment-Center ist eine riesige Chance, andererseits wird es wegen der mitunter sehr anspruchsvollen Aufgaben von vielen Bewerbern gefürchtet. Interviews, Gruppendiskussionen, Rollenspiele: Bei einem Assessment-Center sind meist mehrere Beobachter (Assessoren) anwesend, während die Teilnehmer verschiedene Übungen und Aufgaben bearbeiten. Die Center, die von einem bis hin zu mehreren Tagen dauern können, sind je nach Unternehmen sehr unterschiedlich gestaltet. Wichtig: Versuche im Vorfeld so viel wie möglich darüber in Erfahrung zu bringen. Ideal ist es, wenn du dich beim Unternehmen persönlich oder auf der Homepage informieren kannst, wie das Center aufgebaut ist. Dadurch bekommst du Infos aus erster Hand und kannst dich gezielt vorbereiten. Meist werden Wissens– und Persönlichkeitstests durchgeführt. IQ-Tests sind Standard: Eine sehr gute Vorbereitung ist also das A und O.

Es ist erlaubt, in der Personalabteilung nachzufragen

Vor der Anreise solltest du dich gut über das Unternehmen informieren. Du solltest über die Geschichte des Unternehmens, über maßgebliche Personen, wichtige Produkte und die strategischen Ziele der Firma Bescheid wissen. Marktposition, Mitbewerber, Kundenstruktur, Auslandsmärkte, Wachstumsfelder, Aktienkurse, Leitbild und Firmenphilosophie gehören ebenso dazu. Diese Infos findest du auf der Firmenwebsite, in den Imagebroschüren und bei Verbänden der Branche. Hilfreich ist es, mit Mitarbeitern aus dem Unternehmen zu sprechen. Einsteiger haben vielleicht Kommilitonen, die bereits an einem AC teilgenommen haben und Informationen über die Aufgaben geben können. Auch in Internetforen kannst du Berichte von ehemaligen Teilnehmern finden. Es ist im Übrigen erlaubt, in der Personalabteilung nachzufragen. Manche Unternehmen teilen dies den ausgewählten Kandidaten in der Einladung mit und einige nennen sogar Übungsaufgaben, andere sind zurückhaltender.

Für den Tag des Eignungstests gilt alles, was auch für ein normales Vorstellungsgespräch zutrifft. Die Kleidung und das Auftreten sollten dem Anlass und der Position, für die man sich bewirbt, angemessen sein. Aufregung ist ganz normal und gehört dazu – übergroße Angst schadet aber, ebenso wie demonstrative Lockerheit. Ansonsten gilt: natürlich bleiben. Über den Zeitraum von mehreren Stunden oder sogar Tagen schaffen es sowieso nur die wenigsten, sich komplett zu verstellen.

Acht bis zwölf Bewerber nehmen an einem Eignungstest teil

Durchschnittlich acht bis zwölf Bewerber nehmen an einem Eignungstest teil. Oft geht es dabei um mehrere offene Stellen. Von der Unternehmensseite aus gibt es häufig mehrere Beobachter, Mitarbeiter der Personalabteilung sowie Verantwortliche aus dem Unternehmen, die in dem Bereich eine Führungsposition inne haben, für den es offene Stellen gibt. In seltenen Fällen haben die Firmen auch einen internen oder externen Psychologen oder Coach mit dabei, der das AC moderiert.

Was erwartet mich im Assessment-Center?

Der Stress-Test: Ziel ist es, die  Bewerber in Situationen zu erleben, die relevant für die Position sind – und unter den stressigen Laborbedingungen, die im AC herrschen. Darum gibt es eine Reihe konkreter Aufgaben, die der alltäglichen Arbeitssituation entsprechen. Auch Fachwissen wird abgefragt.

Die Beurteilungskriterien hängen von der Position ab

Je nach individueller Leistung werden die Kandidaten untereinander verglichen. Wird ein Team zusammengestellt, kann geprüft werden, wie gut die Bewerber zusammenarbeiten. Wer ist ein guter Teamplayer, wer ist Einzelkämpfer, wer übernimmt die Verantwortung und wer eine ausgleichende Rolle in der Gruppe?

Die Beurteilungskriterien hängen von der Stelle und der Schwerpunktsetzung des Unternehmens ab. Die Bewerber werden häufig auf Fähigkeiten im Service- oder Kommunikationsbereich getestet, je nach Branche auch auf ihre Verkaufsstrategien.

Der Klassiker: Die Postkorb-Übung: Du erhältst eine Liste mit Aufgaben sowie eine Einschätzung, wie lange jede Aufgabe dauern wird – und ein "Zeit-Budget". Nun müssen diese Aufgaben nach Wichtigkeit geordnet werden. Der Zeitrahmen ist so gesetzt, dass nicht alles geschafft werden kann. Manchmal stehen auch private Verpflichtungen in den Aufgaben. Es muss sehr gut priorisiert werden. Anhand der Übung sollst du unter Beweis stellen, wie du dich und deinen Workflow organisierst. Kniffelig sind Aufgaben wie "Kind abholen" und "Meeting mit dem Chef".

Die Selbstpräsentation: Ein weiterer Klassiker ist die Selbstpräsentation. Bei dieser Aufgabe musst du ein Kurzreferat über dich selbst halten. Meist bekommst du zehn Minuten Zeit, in denen du über dich sich selbst sprechen sollst und deine Stärken und Schwächen skizzierst. Wer hier über jobrelevante Erfahrungen spricht, die eigenen Stärken angemessen betont und ein wenig aus der eigenen Biografie erzählt, ist auf der sicheren Seite. Wichtiger als der Inhalt ist zumeist die Art und Weise der Präsentation: Ist das Erzählte strukturiert, wie ist die Mimik und Gestik, wie die Rhetorik? Steht ein Flipchart oder ein Projektor bereit, sollten diese auch verwendet werden.

Die Rollenspiele: Neben Einzelaufgaben gibt es auch Gruppenarbeiten, zum Beispiel Rollenspiele. Die Bewerber werden beispielsweise in die Rolle eines Personalverantwortlichen hineinversetzt, der einem Mitarbeiter eine Verwarnung oder Kündigung mitteilt. Oder sie spielen einen Vertriebsmitarbeiter, der einen schwierigen Kunden überzeugen muss. Für die Rollen gibt es nur eine sehr kurze Vorbereitungszeit, dann werden die Situationen gemeinsam mit einem Mitbewerber gespielt. Wichtig: Nicht in Stereotypen wie "strenger Chef", "mitfühlender Chef" oder auch "Büromonster", verfallen, sondern agieren, wie es deinem Charakter entspricht.

Zur Gruppenarbeit gehören auch Gruppendiskussionen zu einem bestimmten Thema. Auch bei dieser Aufgabe zeigt sich das Verhalten im Team. Wer versucht, durch eine große Anzahl logischer Argumente zu überzeugen, wer hört zu und versucht, Harmonie herzustellen, wer schlägt Kompromisse vor und wer agiert als Diskussionsleiter?

Berücksichtige immer: Keine Rolle gilt als besonders "gut". Jemand, der ausgleichend argumentiert, ist genauso fähig wie jemand, der in der Gruppenaufgabe die Führungsrolle übernimmt. Am Ende entscheiden die Personaler entsprechend der zu besetzenden Stelle. Wer sich als Führungspersönlichkeit darstellt, könnte schlechtere Karten auf eine Einsteigerposition haben als der Kandidat mit hoher Sozialkompetenz und effizienter Arbeitsweise. Am Ende entscheidet zudem auch das gewisse Quäntchen Glück. Wer bereits mehrere ACs mitgemacht hat, wird feststellen, dass Routine einkehrt. Auch dafür lohnt sich der ganze Stress.