Leitungsfunktionen bei den SRH Kliniken

Pflege findet immer Arbeit

Interview: Anne Koschik | Juli 2017 | Foto: SRH Kliniken

karriere.de: Was fasziniert Sie an der Gesundheitsbranche?

Marion Mielsch: Für mich entscheidend im Leben waren immer Vorbilder, die ich in der Familie und im Berufsleben hatte. Es gab Schicksalsschläge, die ich annehmen musste, und ich habe gelernt, damit menschlich umzugehen und auch Trauer zu leben. Grundsätzlich aber habe ich Menschen gerne, sehe Gutes im Menschen und bin neugierig. In der Gesundheitsbranche habe ich in unterschiedlichen Kontexten Gelegenheit, all das anzuwenden und damit zu arbeiten – ein Leben lang. Die Möglichkeiten für eine variantenreiche Zukunft sind und waren groß: Man kann in die Verwaltung gehen, in die ambulante Pflege, in den OP und in die Industrie, sogar ins Ausland. Pflege findet eben immer Arbeit – das gibt auch Sicherheit.

Wie lange arbeiten Sie schon im Pflegebereich?

Ich bin seit 42 Jahren im Job, habe mein Staatsexamen als Krankenschwester gemacht und mich dann zur Pflegedienstleitung weitergebildet. Zusätzlich habe ich noch im Alter von 44 Jahren ein Diplomstudium in Gesundheitsökonomie abgeschlossen sowie im Vorfeld eine Weiterbildung in der Unternehmensberatung absolviert, um Prozesse steuern und Mitarbeitern Orientierung geben zu können. Haben Sie Ihre Karriere geplant? Als klassische Planung würde ich es nicht bezeichnen, sondern bei mir war es stets die Neugierde auf mehr. Ich bin kein Typ der jammert, wenn etwas stockt oder langweilig wird, sondern will immer wissen: Geht das noch besser? Ich habe keine Probleme, sondern suche mir neue Aufgaben. So habe ich es als Vorteil empfunden, mein Wissen aus der Krankenpflege mitzunehmen.

Im Pflegebereich geht es um den guten Umgang mit Menschen und mit Grenzbereichen. Es geht um Beratung und ein Dableiben-Können – aller Widrigkeiten zum Trotz. Wer mit Emotionen in jeglicher Ausrichtung, manchmal auch mit Ekel umgehen muss, braucht definitiv eine professionelle Haltung. Ich zitiere hier gerne meine Mutter, die mir beigebracht hat: „Wir sind alle gleichwertig, aber nicht gleichartig.“

Seit wann sind Sie bei den SRH Kliniken beschäftigt?

Mitte der 90er Jahre war ich bereits dort und habe dann meine Arbeit für das Gesundheitsökonomie-Studium unterbrochen. Anfang 2014 bin ich bei SRH wieder eingestiegen. Ich habe zwei innovative Betriebe mit neu aufgebaut und an den Markt gebracht, darunter ein Seniorenprojekt. Mein Anspruch ist, das magische Dreieck aus Mitarbeiter-Orientierung, Patienten-Orientierung und Wirtschaftlichkeit im Gleichgewicht zu halten – das ist für mich gute Führung, so wie ich sie leben möchte.

Das Tolle an der SRH als Verbund von Kliniken, Hochschulen, Bildungszentren und Schulen sehe ich darin, dass ich Impulse geben kann, zum Beispiel in der Personalleiterrunde, im Pflegeboard und in der Krankenpflegeschule. Da kann ich überall mitwirken. Wir sind eine Stiftung, es gibt kein Shareholder-Value und kein Einzelunternehmen, wo ich von einem Inhaber abhängig bin: Bei uns ist garantiert Vielfalt, hier kann man mitgestalten, das setzt viele Energien frei.

Welches Umfeld bzw. welche Unternehmenskultur umgibt Sie?

Alles ist hier sehr weltoffen, das empfinde ich als herausragend. Die Unternehmenskultur ist erlebbare Vielfalt. Dabei ist jeder Einzelne wichtig und alle zusammen erreichen etwas. Um die beste Lösung muss man manchmal auch streiten: Bei uns wird diskutiert für das beste Ergebnis. Es ist eine Kultur, die Mut macht, Ideen einzubringen. Im SRH-Fachkrankenhaus Neresheim kümmern sich zwischen 180 und 210 Mitarbeiter um 50 Patienten. Der Frauenanteil ist sehr hoch – und daher auch der Teilzeitanteil mit rund 70 Prozent.

Damit tragen wir den besonderen Lebenskonzeptionen in ländlicher Struktur Rechnung, auf die wir ausdrücklich viel Rücksicht nehmen. Unsere Mitarbeiter kennen sich zum Teil persönlich, sind ansässig von Ulm bis Schwäbisch Gmünd. Auch das Netzwerk vor Ort funktioniert. Wir betreiben die Schulmensa, beteiligen uns am Netzwerk zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement, haben eine gute Beziehung zum Bürgermeisteramt. Das ist viel wert.

Was ist Ihre größte Herausforderung?

Personal. Wir haben einfach zu wenig Fachpersonal. Obwohl Pflegeberufe in der Bevölkerung eine sehr hohe Wertschätzung erfahren, wählen immer weniger einen solchen Beruf – und davon bleiben auch nicht alle. Mittlerweile holen wir Personal aus dem Ausland, vor allem aus Südosteuropa, weil diese Menschen uns von der Ausbildung und Mentalität eher entgegenkommen.

Wichtig sind uns Pflegkräfte, die gut ausgebildet sind. Allein mit „Helfen-Wollen“ ist es nicht getan. „Helfen-Können“ muss gelernt sein. Daher schauen wir besonders auf die natürliche Begabung und sind nicht auf Noten fixiert. Aber Affinität zum Thema sollte vorhanden sein, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung:

So brauchen wir Menschen, die Abläufe organisieren können, Menschen für den technischen Input, die zum Beispiel in der Anästhesie oder der Technischen Abteilung eingesetzt werden, Menschen, die sich um die Hygiene kümmern oder um funktionstüchtige Geräte. Und natürlich suchen wir besonders solche Menschen, die Mitgefühl leben können, ohne selbst zu sehr mitzuleiden.

Wo setzen Sie auf junge Nachwuchskräfte?

In Schulen stellen wir Ausbildungsberufe im Krankenhaus vor und zeigen beispielsweise beim „Boys and Girls Day“ vor Ort, was wir hier tun. Schülern geben wir die Möglichkeit zu vier- bis sechswöchigen Praktika. Wir bilden Kaufleute im Gesundheitswesen aus, die bei uns bis zum Abschluss bleiben. Zurzeit bestehen Überlegungen, hier noch die Altenpflege mit hinzuzunehmen.

Im Therapiebereich kooperieren wir mit einer Ergotherapie- und Physiotherapieschule und in der Pflege mit mehreren Krankenpflege- und Altenpflegeschulen sowie mit dem Deutschen Roten Kreuz für das Freiwillige Soziale Jahr. Dazu besteht ein Netzwerk mit den Krankenpflegeschulen in der Region und innerhalb der SRH. Ärzte können bei uns ihr Anerkennungsjahr machen, außerdem bieten wir einen Teil der Fachweiterbildung in der Neurologie an.

Welche Erwartungen haben Sie an neue Mitarbeiter?

Menschen sollen interessiert sein und nicht so schnell aufgeben. Sie sollen in Prozessen existieren und denken können, dazu die Bereitschaft haben, sich einzulassen und neugierig zu sein. Netzwerk-Arbeit ist für uns fundamental: Hier ist jeder immer ein Teil von etwas. Das muss man leben können.

Marion Mielsch ist Verwaltungsleitung, Pflegedienstleitung und Personalleitung im SRH-Fachkrankenhaus Neresheim, das spezialisiert ist auf schwerste erworbene neurologische Hirnschädigungen. Ihre humanitäre Gesinnung und ihre Neugierde haben die Karriere der 61-Jährigen bestimmt.


SRH

Die SRH ist eine gemeinnützige Stiftung und ein führender Anbieter von Bildungs- und Gesundheitsdienstleistungen. Sie betreibt private Hochschulen, Schulen, Fachschulen, Berufliche Rehabilitationszentren und Kliniken. Mit 12.500 Mitarbeitern in über 40 Tochterunternehmen betreut die SRH 930.000 Bildungskunden und Patienten im Jahr und erwirtschaftet einen Umsatz von mehr als 900 Mio. €.

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