Leitung Sicherheitstechnik bei Dräger

Technik für das Leben

Interview: Anne Koschik | Juli 2017 | Foto: Dräger

Karriere.de: Wie lange arbeiten Sie schon in der Medizintechnik?

Kerstin Hamann: Bei Dräger habe ich gerade mein 25j-ähriges Jubiläum gefeiert. Das ist hier übrigens keine Seltenheit. Zuvor war ich am Institut für Biomedizintechnik der Uni Dresden angestellt. Dann kam die Wende. Der politische Wandel ermöglichte mir den Wechsel aus der Wissenschaft in die Industrie.

Das Unternehmen Dräger war mir damals schon ein Begriff, denn wir haben an der Uni Software für das Unternehmen entwickelt. Bei einer Präsentation in der Wiesbadener Niederlassung ist mir am Schwarzen Brett eine Stellenanzeige aufgefallen, auf die ich mich beworben habe. Denn das Umfeld dort gefiel mir, dieser offene, kollegiale Umgang miteinander und die Hilfsbereitschaft. Und die Produkte und Aufgaben waren auch sehr spannend. Seit 2016 arbeite ich im Unternehmensbereich Sicherheitstechnik.

Was fasziniert Sie am Thema IT?

Mich hat schon immer gereizt, Software für Geräte zu entwickeln. Das ist spannend von der Logik her. Deshalb habe ich Kybernetik studiert, also technische Informatik. Es ist mir wichtig, das Produkt zu sehen und anfassen zu können, das andere unterstützt. Viele Bewerber reizt das auch heute, wie ich häufig feststelle. Diese Verlinkung mit der ElektronikKomponente bzw. viele Schnittstellen zu anderen Fachdisziplinen sind es, die die Software erlebbar machen.

Als ich bei Dräger anfing, haben wir medizinische Geräte für Intensivstationen oder OP-Räume entwickelt. Zum Beispiel waren damals an einem Beatmungsgerät 40 Ingenieure – Elektroniker und Mechaniker – beteiligt und nur zwei Softwareentwickler. Zum ersten Mal gab es ein Display, das feierte in den 1980er Jahren große Erfolge. Heute hat sich das Verhältnis der beteiligten Personen gewandelt: 40 Software-Entwickler, aber viel weniger Elektroniker sind nötig, um ein vergleichbares Gerät zu konstruieren. Das liegt daran, dass es seit den 1990er Jahren mit der Software steil bergauf ging. Dieser Trend hält bis heute an.

Die Digitalisierung potenziert diesen Trend vermutlich…

Die Digitalisierung setzt noch eins drauf: Wir wollen mit Daten in die Cloud gehen, Daten analysieren, um unsere Kunden bestens zu unterstützen. Bei Dräger geht es darum, Leben zu schützen, zu unterstützen und zu retten. Wir entwickeln Geräte für die Feuerwehr, für Fabriken und Bohrinseln. Dabei geht es um Atemschutz, Kommunikationssysteme für die Feuerwehr, aber auch um Gasmesstechnik. Bei dieser Technik kommt die Software stärker ins Spiel, denn mit diesen Systemen lassen sich ganze Fabriken überwachen, toxische und explosive Gase messen. Damit haben Sie sich von der Medizintechnik also ein Stückweit entfernt? Sagen wir mal so: Sensorik ist eine Kernkompetenz von Dräger, durch die auch in anderen Einsatzfeldern immer wieder mit Innovationen zu rechnen ist.

Ein neues Geschäftsfeld ist der Schutz der Arbeiter vor toxischen Stoffen, die über längere Zeit die Gesundheit gefährden, wie zum Beispiel bestimmte krebserregende Stoffe. Übrigens ist Dräger auch Weltmarktführer in der Atemalkoholmesstechnik – das entsprechende Messröhrchen wurde sogar von Dräger erfunden. Was sind die größten Herausforderungen? Das rasante Wachstum der Technologien müssen wir im Auge haben, um uns am Entstehen neuer Technologien beteiligen zu können.

Zum Beispiel haben wir vor zwei Jahren noch nicht an Clouds oder Apps gedacht. Für uns ist es wichtig, da Schritt zu halten und am Ball zu bleiben, um die neue Technologie für die Kunden nutzbar zu machen. Da es bei Dräger meistens um Menschenleben geht, sind wir auch gezwungen, hohe regulatorische Anforderungen zu beachten. Auch Cybersecurity spielt eine zunehmend größere Rolle.

Wer kann sich bei Dräger bewerben?

So vielseitig wie unsere Produkte ist auch die Software, die bei uns entwickelt wird. Wir suchen Softwareentwickler für unsere Embedded Systeme und für Cloud und Webapplikationen. Wir suchen aber nicht nur erfahrene Entwickler, sondern gerne auch Absolventen und Young Professionals. Außerdem besteht die Möglichkeit für Praktika und Abschlussarbeiten. Als Ausbildungswege bieten wir ein duales Studium in den Bereichen Wirtschaftsinformatik und technische Informatik sowie die klassische Lehre zum Fachinformatiker an. Allein in der Software Abteilung sind 50 Mitarbeiter beschäftigt und immer zwei bis drei Praktikanten.

Was erwarten Sie von Ihren (neuen) Mitarbeitern? Welche Qualifikationen sollten sie besitzen?

Software-Entwicklung steht bei uns ganz oben. Innovativer Geist wird verstärkt gesucht, denn wir wollen auch ausgetretene Pfade verlassen. Unsere Mitarbeiter müssen die englische Sprache sicher beherrschen, damit sie weltweit kommunizieren können. Mehrheitlich arbeiten wir in agilen Teams, und die gute Zusammenarbeit mit Externen ist für uns elementar. Jeder Einzelne ist aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen und die anderen zu unterstützen.

Wer mit neuen Technologien arbeitet, sollte zudem immer bereit sein, kontinuierlich zu lernen. Neben einem umfangreichen Einarbeitungsprogramm, bei dem auch Hospitationen beim Kunden und sogar in Operationssälen vorgesehen sind, hat Dräger zahlreiche Trainingsangebote in einer eigenen Fortbildungsakademie, um etwa am Gerät ausgebildet zu werden.

Auf welches Umfeld treffen die Neulinge?

Die Atmosphäre bei Dräger ist davon geprägt,Technik für das Leben herzustellen. Es hat also einen tieferen Sinn, hier zu arbeiten. Dennoch sind wir uns bewusst, dass wir unseren Mitarbeitern am Unternehmenssitz Lübeck mehr bieten müssen als andere. Schließlich konkurrieren wir mit Konzernen wie Siemens, Philips oder General Electric. Bei uns gibt es flexible Arbeitszeiten und Programme für Freizeit und Sport, die sich hauptsächlich um die Themen Gesundheit und Sprachen drehen. Zudem gibt es regelmäßige Jahresauftaktveranstaltungen, alle zwei Jahre ein Sommerfest, Sport-Teams – zum Beispiel für Segeln und Tauchen – unter Anwendung der eigenen Tauchtechnik.

Das färbt sicher auf die Unternehmenskultur ab?

Ja, das bestätigen die Neueinsteiger immer wieder. Sie loben den freundschaftlichen und freundlichen Umgang in einer spürbaren familiären Atmosphäre. Das ist bemerkenswert beim mit 5000 Mitarbeitern immerhin größten industriellen Arbeitgeber in Schleswig-Holstein. Dräger ist ein Familienunternehmen und Vorstandschef Stefan Dräger denkt in Generationen: Er will sein Unternehmen in einem besseren Zustand an die nächste Generation weitergeben. Kurzfristige Gewinnziele sind hier nicht gefragt.

Kerstin Hamann, 53, ist Abteilungsleiterin Software im Bereich Sicherheitstechnik bei Dräger. An ihrer Arbeit schätzt sie nicht nur den tieferen Sinn, der hinter den Produkten des Weltmarktführers Dräger steckt, sondern besonders die „erlebbare Software“, die andere Menschen unterstützt.


Dräger ist ein international führendes Unternehmen der Medizin- und Sicherheitstechnik. Das 1889 in Lübeck gegründete Familienunternehmen besteht in fünfter Generation und hat sich zu einem globalen börsennotierten Konzern entwickelt. Es beschäftigt 13.200 Mitarbeiter.

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