Führungskraft bei San Lucar Fruit S.L.

Gesunde Produkte und Bedingungen für alle

Interview: Anne Koschik | Juli 2017 | Foto: SanLucar Fruit S.L.

Wie sind Sie zu SanLucar, einen Obst- und Gemüse-Produzenten in Spanien gekommen?

Zunächst hat es mich nach dem Studium nach Valencia verschlagen. Ich hatte an der Cologne Business School Tourismus studiert und nach meinem Abschluss zusammen mit meinem jetzigen Mann entschieden, ins Ausland zu gehen. Wir wollten dort arbeiten, wo die Sonne scheint. Zu SanLucar brachte mich der Zufall, als ich mich nach Unternehmen umsah, die irgendwie mit Deutschland zu tun haben sollten. Da ich mich gerne gesund ernähre, fand ich es natürlich toll, dass SanLucar für erstklassiges Obst und Gemüse steht. 

Ihre Karriere haben Sie also nicht geplant?

Nicht direkt. Als ich mich bei SanLucar beworben habe, war es eine schöne Herausforderung für mich: Im Jahr 2002 stand das Unternehmen, für das heute weltweit 2.500 Mitarbeiter tätig sind, mit 30 Angestellten noch ganz am Anfang. Ich konnte dort im Marketing beginnen und war dann für gut zehn Jahre Assistenz des Inhabers Stephan Rötzer, den Sohn eines Münchner Obst-Großhändlers. Direkt überzeugt hat mich damals der sehr freundliche Umgang mit und unter den Menschen.

Was bedeutet es für Sie, bei einem Unternehmen zu arbeiten, dessen Firmenvision es ist, „der Welt natürliche Lebensfreude und Gesundheit zu bringen“?

Zwei Dinge überzeugen mich besonders: Gesunde, hochwertige Produkte schmecken einfach besser. Gleichzeitig werden diese in Ländern produziert, wo wir nachhaltig arbeiten. Ganz nach unserer Philosophie: Geschmack im Einklang mit Mensch und Natur. Und weil Obst und Gemüse Naturprodukte sind, setze wir uns natürlich für eine saubere Umwelt und verpflichten uns zu einem ressourcenschonenden und klimaverträglichen Anbau mit den Schwerpunkten Erde, Wasser, Luft. Außerdem sorgen wir dafür, dass die Menschen vor Ort unter besseren Bedingungen leben können.

Wie funktioniert das?

Wir haben es mit sehr unterschiedlichen Kulturen zu tun. Unsere Zitrusfrüchte kommen beispielsweise im Winter aus Spanien und im Sommer aus Südafrika, die Trauben aus Italien, Ananas aus Costa Rica, Bananen aus Ecuador, Tomaten aus Tunesien und Erdbeeren aus Spanien. Europa, Südamerika, Afrika – da gibt es sehr verschiedene Voraussetzungen. Die Farmer sollen unter guten Voraussetzungen arbeiten und ihre Familien versorgen können. In Südafrika zum Beispiel leben die Kinder der Angestellten auf der Farm. Für sie müssen Kindergärtner eingestellt werden, um die Kinder zu fördern. In Tunesien besorgen wir Schulmaterialien für die Kinder, in Ecuador vergeben wir Stipendien. SanLucar achtet sehr darauf, dass die Unterstützung als Hilfe zur Selbsthilfe ankommt und nicht als Almosen. Schließlich geht es darum, ein neues Selbstbewusstsein in den Ländern zu entwickeln – auch dafür, um entscheiden zu können, ob sie überhaupt in unserem Unternehmen arbeiten wollen oder nicht. 

Erzählen Sie uns mehr zu den gesunden Produkten…

Wir haben eine große Vielfalt an Obst, aber auch Gemüse. Schließlich verkaufen wir davon 200 Millionen Kilo im Jahr. Wir wollen jeweils das beste Produkt, das es gibt beziehungsweise geben könnte. Unsere Forschungsabteilung schaut stets, wie wir uns weiterentwickeln können. Zu den Vorgaben des SanLucar-Gründers Stephan Rötzer gehört der Satz: „Den Leuten soll es so schmecken, als würden sie in Omas Garten gehen und sich ihr Lieblingsobst selbst vom Baum pflücken.” Deshalb schauen wir, dass wir immer den perfekten Erntezeitpunkt finden und die Ware so frisch wie möglich in das Verbraucherland kommt. Das ist bei 90 Obst- und Gemüsesorten aus mehr als 35 Ländern manchmal eine ganz schöne Herausforderung. Schliesslich handelt es sich um Naturprodukten und nichts, was man in einer Fabrik herstellen kann. 

Was fasziniert Sie an Ihrem Job?

Es wird nie langweilig. SanLucar befindet sich im stetigen Wachstum, da kann es passieren, dass man zeitweilig mehrere Abteilungen betreut – so wie ich gerade zuständig bin für Communication & CR, sowie Events & Travel- Management.

Ist Ihr Berufswunsch in Erfüllung gegangen?

Ich hatte immer klar vor Augen, was mir Spaß macht: Menschen unterstützen und etwas Gutes tun. Das ist mir wichtig und füllt mich aus. Ich bin in der Gastronomie aufgewachsen, habe also von klein auf gelernt, was es heißt Service zu bieten. In meinem Job in SanLucar kann ich das voll ausleben und dabei unterstützen, Dinge weiter zu verbessern. 

Was sind heute die größten Herausforderungen für Sie?

Das schnelle Wachstum des Unternehmens, das ich sehr positiv bewerte, setzt voraus, wach zu sein und immer flexibel zu bleiben, nicht an alten Strukturen festzuhalten, sondern Aufgaben und Prozesse auch neu zu ordnen und aufzustellen. Daran selber zu wachsen, wenn man sich einsetzt, das gefällt mir sehr. Man lernt auch sehr viel von jungen, frischen Talenten. Das macht großen Spaß. In Spanien haben wir ein tolles Praktikantenprogramm, so haben wir immer wieder Leute, die neue Ideen und Verbesserungen in die Firma bringen und sich freuen, wenn sie auch mal in die reale Arbeitswelt reinschnuppern können. 

Welche Unternehmenskultur umgibt Sie?

Hier am Hauptsitz in Puzol sind wir rund 200 Mitarbeiter mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren. Die Atmosphäre ist sehr jung und dynamisch. Zudem bin ich seit meinem ersten Arbeitstag vom internationalen Ambiente begeistert.

Jennifer Heer, 42, ist in Vancouver aufgewachsen, hat anschließend in Süddeutschland gewohnt, in Köln studiert und war an der Sorbonne im Auslandssemester. Heute ist sie Direktorin für Communication, Corporate Responsibility, Events & Travel Management bei SanLucar Fruit S.L..


SanLucar Fruit S.L. wurde 1993 von dem Unternehmer Stephan Rötzer gegründet und ist heute ein international tätiges Unternehmen mit Hauptsitz in Valencia und mit verschiedenen Standorten in ganz Europa, Afrika und Südamerika. Derzeit bietet SanLucar ungefähr 100 verschiedene, köstliche Obst- und Gemüsesorten aus über 35 Ländern an, die in 14 Ländern vermarktet werden. Damit ist SanLucar die Marke mit dem breitesten Sortiment im Handel. Unsere Einnahmen liegen 300 Millionen Euro.

Branchenspezial Gesundheitswirtschaft

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