Corina Bauer | Müller Holding Ltd. & Co. KG

Praktikanten herzlich willkommen

Interview: Anne Koschik | 10.01.2017 | Fotos: Steffi Biel

Soziale Verantwortung zeigt das Handelsunternehmen Müller durch seinen Beteiligung am Work in Germany-Programm, das jungen Menschen eine große Orientierungshilfe beim Einstieg ins Arbeitsleben bietet. Mit diesem Engagement will Müller Praktikanten dahingehend unterstützen, selbst herausfinden zu können, wo ihre Interessen und Stärken liegen.

Wie positionieren Sie sich als Mitglieds-Unternehmen im Gesamtprogramm von Work in Germany?

Wir freuen uns, dass wir als klassisches Handelsunternehmen in diesem Projekt mit vertreten sind, denn wir möchten jungen Menschen, die noch in der Berufsfindungsphase sind, Orientierung geben.

Wo bringen Sie die Praktikantinnen und Praktikanten in ihrer Startphase unter?

Die Einsatzmöglichkeiten bei Müller sind vielfältig. Praktikanten können wir in nahezu allen Bereichen einsetzen wie z.B. Einkauf, Personalwesen, Marketing sowie auch in unseren Verkaufsstätten.

Bei den noch sehr jungen Praktikantinnen und Praktikanten, die unmittelbar nach der Schule im Rahmen des Work in Germany-Programms zu uns kommen, ist es interessant zu beobachten, wie groß die Lücke zwischen Vorstellung und Realität ist. Die Überraschungsmomente sind nicht nur für die jungen Menschen groß, auch wir lernen dadurch zu verstehen, was die Jugend bewegt.

Worin sehen Sie Ihren Gewinn, sich am Programm zu beteiligen?

Soziale Verantwortung steht hier an erster Stelle. Wir unterstützen die ganz jungen Praktikantinnen und Praktikanten vor allem darin, sich bewusst zu orientieren und erste Berufserfahrungen zu sammeln. Uns bietet sich dadurch in der Zeit des demografischen Wandels mit immer weniger Bewerbern aber auch die Möglichkeit, viele junge Menschen kennenzulernen und sie für uns zu gewinnen.

Wir bilden ja in 16 verschiedenen Berufen aus, darunter in einigen dualen Studiengängen, zum Beispiel im Bachelorstudiengang Handel mit Schwerpunkt Transport/Logistik, im Bachelorstudiengang Wirtschaftsinformatik und als Pilot haben wir den Bachelor BWL/Handel mit Schwerpunkt Vertrieb Filiale im Programm. Auch der Weg ins Ausland ist innerhalb des dualen Studiums in den Theoriephasen möglich, von Japan über Ungarn bis Mexiko. Wir haben derzeit 33 Dual-Studierende, die sich abwechselnd drei Monate bei uns in der Praxis üben, anschließend müssen sie drei Monate Theorie büffeln.

Welche Rolle spielen Praktikanten grundsätzlich im Unternehmen?

Zurzeit haben wir ca. 100 Praktikanten im Unternehmen. Das Praktikumsthema haben wir durch Fair Company und Work in Germany forciert. Wir lernen nicht zuletzt dadurch potenzielle Arbeitnehmer kennen, erfahren, welche Ziele sie haben und können prüfen, ob die Wellenlänge stimmt.

Praktika sind bei uns auch in der IT möglich, was man bei einem Handelsunternehmen nicht gerade vermutet. Wir haben aber eine große IT-Abteilung mit über 140 Mitarbeitern. Unsere IT betreut zum Beispiel unser internes Warenwirtschaftssystems.

Sind Sie in Sachen Social Responsibility noch in anderen Projekten unterwegs?

Im Unternehmen Müller gibt es ein sehr starkes Engagement, was aber nicht immer nach außen getragen wird. Wir engagieren uns auch sehr stark in der sogenannten "überbetrieblichen Ausbildung" sowie im Bereich der Umschulung. Jährlich stellt Müller 150 – 200 überbetriebliche Auszubildende – zusätzlich zu den insgesamt rund 700 "eigenen" Auszubildenden – neu ein.

Auch im Sponsoring von Vereinen und im Sport sowie mit Spenden für die Flüchtlingshilfe und im Tierschutz ist das Unternehmen aktiv. Nachhaltigkeit spielt zudem eine große Rolle: So setzt das Unternehmen auf Bioprodukte, liefert Waren mit einer neuen grünen Flotte von LKWs mit wenig CO2-Ausstoß aus, erzeugt über Solaranlagen Strom aus Sonnenenergie und kümmert sich intensiv um vernünftiges Recycling.

Nutzen Sie das Work in Germany- Programm gezielt als Recruiting-Maßnahme bzw. im Employer-Branding-Prozess?

Wir möchten vornehmlich den jungen Menschen einen umfassenden Einblick ins Unternehmen bieten, so dass die Praktikanten selbst herausfinden können, wo ihre Interessen und Stärken liegen und welches Unternehmen auch zu ihnen passt. Sollten sie dies im Müller-Praktikum bereits finden, so freuen wir uns, den Praktikanten einen Ausbildungsvertrag im Anschluss anbieten zu können. Insofern ist Work in Germany als Employer Branding-Maßnahme eine gute Ergänzung neben unserem Engagement auf Karriereportalen, auf Bildungsmessen und Infotagen, die in Schulen oder von der Arbeitsagentur organisiert werden.

Wie finden Sie es, Praktikanten beim "Sich Ausprobieren" zu unterstützen?

Wir sehen es vornehmlich als Invest für die Interessensbildung der jungen Menschen. Ihnen Zeit und die Möglichkeit zu geben, sich besser kennenzulernen und ihre Interessen zu finden, deshalb unterstützen wir hier sehr gerne. Es reicht hierbei nicht, sie nur über die Schulter schauen zu lassen. Unsere Praktikanten schätzen es, wenn man ihnen eigene Aufgaben und Verantwortung überträgt.

Um am Work in Germany-Programm teilnehmen zu können, müssen Sie eine Fair Company sein. Wie fühlen Sie sich dabei?

Das ist großartig: Darauf hatten wir gewartet. So konnten wir endlich sichtbar nach außen kommunizieren, was wir in Sachen Praktika leisten, was für uns selbstverständlich ist. Fair Company bedeutet nicht nur die Einhaltung eines vorgegebenen Regelwerkes, sondern spiegelt die Haltung und das Engagement der Firma Müller wider, sich für die berufliche Entwicklung von Schülern und Hochschulabsolventen einzusetzen.

Im Gespräch: Corina Bauer, Personal-Referentin bei der Müller Holding Ltd. & Co. KG

Die Müller Holding Ltd. & Co. KG ist eines der interessantesten und erfolgreichsten Unternehmen des deutschen Einzelhandels mit europaweit mehr als 700 Filialen und rund 35.000 Mitarbeitern. Es befindet sich mit jährlichen Neueröffnungen im zweistelligen Bereich auf stetigem Expansionskurs im In- und Ausland.

Personaler im Gespräch