Mein Praktikum bei Söllner Communications

Juristen werden überall gebraucht

Alexandra Schäfer berichtet | 21.12.2015 | Foto: Söllner Communications AG

Wie kam es, dass Sie als Juristin bei Söllner eingestiegen sind?

Zu Söllner kam ich eher zufällig durch einen privaten Kontakt. Es war damals ein gutes Timing, da das gesamte Agentur-Team zu diesem Zeitpunkt mit neuen lukrativen Aufträgen weiter gewachsen ist. Die Agentur ist bereits seit 40 Jahren am Markt etabliert. Als ich dort anfing, war Söllner Communications bereits als AG firmiert. Diese Gesellschaftsform (zumal in der Kreativbranche) ist wirklich beachtlich, betrachtet man sich die deutsche Unternehmenslandschaft, die eher von der GmbH geprägt ist. Nach meinem Kenntnisstand hält diese positive Entwicklungskurve übrigens bis heute an.

Welche fachspezifischen Aufgaben fallen in einer Agentur an?

Insgesamt betreut Söllner Kunden in den Bereichen Advertising, Public Relations, Corporate Publishing und Event. Zugegeben, das klingt zunächst nicht so wirklich nach Jura und vielleicht ist das auch tatsächlich eine etwas exotische Kombination gewesen, aber Juristen bilden sich ja sowieso ganz gerne mal ein, dass sie überall gebraucht werden ;)

Das gesamte Team hat sich aber viel Mühe gegeben, mich auch fachspezifisch einzusetzen. So konnte ich mich einerseits mit Fragestellungen rund um das Thema Immaterialgüterrechte (hierzu zählt z.B. das Urheberrecht) beschäftigen, andererseits gehörte aber auch klassisches Vertragsrecht zum Tagesprogramm. Im Bereich Corporate Publishing ist dabei unter anderem der Erwerb von Bildrechten von Bedeutung. Häufig wird der Umfang dieses Rechtserwerbs im Rahmen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) reglementiert. Da dies auch zum examensrelevanten Prüfungsstoff gehört, konnte ich also gleich etwas für meinen Studienabschluss mitnehmen. Im Wesentlichen herrschen für eine Agentur außerdem zwei besondere Vertragsbeziehungen vor:

  1. im Verhältnis Agentur/Kunden und
  2. im Verhältnis Agentur/Subunternehmen (wie z.B. freie Autoren, Fotografen etc).

Für mich als angehende Juristin war es hilfreich, die Klassifizierung unterschiedlicher Vertragstypen (z.B. Werk-, Dienst-, Werklieferungsverträge) in der Praxis üben zu können. Eine saubere Abgrenzung verschiedener Vertragsarten gehört einfach zum traditionellen Handwerkszeug in der Rechtswissenschaft.

Was war Ihr persönliches Highlight in dieser Zeit?

Ein besonderes Highlight war für mich die Unterstützung bei der Vorbereitung und Ausrichtung des jährlich stattfindenden Symposiums Feines Essen + Trinken. Ich fing gerade erst zwei Wochen vor der Veranstaltung bei Söllner an. Nachdem ich vom Eventmanagement noch so gar keine Ahnung hatte, wurde ich dabei erstmal so richtig ins kalte Wasser geworfen. Es hat dennoch viel Spaß gemacht und war es aufregend, zum ersten Mal Teil einer solchen Organisation zu sein. Das war schon toll. Hier habe ich auch in den Folgejahren oft unterstützen können.

Der Arbeitsalltag in einer Agentur ist oft sehr stressig. Welche Unternehmenskultur haben Sie erlebt?

Gerade in einer Agentur bedeutet Wachstum auch intensives Arbeiten – oft unter Zeitdruck. Ganz klar wurde darauf geachtet, diesen Druck nicht auf die Teammitglieder abzuwälzen, die in Ausbildung sind, oder Überforderung entstehen zu lassen. Das Team war agil, offen, bereit zu erklären und zu unterstützen.

Ab und an war der Leistungsdruck aber doch deutlich spürbar. So kam es auch vor, dass der Umgangston etwas forscher wurde, wenn der Abgabetermin bevorstand oder notwendige Änderungen sehr zeitkritisch erledigt werden mussten. Da wurde dann schon mal mit den Augen gerollt. Das muss man aber einfach unter Arbeitswirklichkeit verbuchen. Es ist eben eine Agentur und ich finde es wichtig, dass man erlebt, wie es wirklich ist. Schließlich sind wir alle nur Menschen und fehlbar.

Auf der anderen Seite ist hier eben auch entscheidend, welche Persönlichkeit man selbst mitbringt. Dann wurde genau geschaut: welche Kompetenzen hat der Einzelne und wie bringt er sich ein? Damit entstehen auch für die persönliche Entwicklung spannende Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Das ist nicht vergleichbar mit rein wirtschaftsanalytisch orientierten Unternehmen (wie etwa im Sektor der Finanzberatung), wo es nur um Zahlen geht. Und eigentlich ist das auch ganz erfrischend.

Hat sich durch das Praktikum etwas verändert?

Vielleicht nicht unmittelbar beruflich, mittelbar aber schon. Ich habe mich persönlich stark entwickelt können: durch regelmäßigen Kundenkontakt wird man selbstbewusster, denn letztlich war ich ja auch ein Repräsentant der Firma. Das ist auch für den Aufstieg in Kanzleien wichtig: man kann als Anwalt exzellente juristische Kenntnisse haben, aber man muss den Mandanten eben auch abholen können. Schließlich sind Fähigkeiten wie Problembewusstsein für die Juristerei elementar.

Die projektbezogene Arbeit, die heutzutage ja immer bedeutsamer wird, erfordert einen klaren Fokus und eine gründliche Organisation. Das konnte ich bei Söllner umfassend trainieren. Kurz nach meiner Tätigkeit bei Söllner war ich im internationalen Projektmanagement für eine große Wirtschaftsberatungsgesellschaft tätig. Auch wenn es hier in erster Linie um aktienrechtliche Vergütungsmodelle ging, konnte ich sehr viel von dem nutzen, was ich bei Söllner gelernt habe. Das hat mich weit nach vorne gebracht.

Praxiseinsatz und Uni: Was ist der markanteste Unterschied für Sie?

Na ja, das Jurastudium ist sehr "Text lastig", da muss viel gelesen werden, das geht schon ein bisschen auf die Augen. Jura bedeutet Argumentieren in klaren Schemata...

Erst in der Praxis merkt man den Bezug des eigenen Tuns in der Theorie zur Auswirkung in der Realität – die Konsequenzen sind erlebbar: die Chancen, aber auch die Risiken.

Wie geht es weiter:

Das Jura-Studium habe ich mittlerweile abgeschlossen. Jetzt arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Großkanzlei und warte auf meine Examensnoten, dann beginne ich im April mein Referendariat und wenigstens eine Referendariatsstation würde ich gerne im Ausland absolvieren. Perspektivisch kommt das 2. Staatsexamen dann Ende 2017 und im Anschluss wahrscheinlich die Promotion. Ein konkretes Thema habe ich noch nicht im Auge.

Zurzeit bin ich im Bereich Corporate und Litigation unterwegs, wo ich mich schon sehr Zuhause fühle. Trotzdem möchte ich das Referendariat möglichst vielseitig nutzen und noch das ein oder andere Rechtsgebiet besser kennenlernen. Jura ist wirklich viel farbenfroher, als man vielleicht denkt – auch wenn es nicht ganz so bunt zugeht wie in einer Kommunikationsagentur.

Ich blicke wirklich gerne auf meine Zeit bei Söllner zurück und halte bis heute Kontakt.

Alexandra Schäfer, Praktikantin bei Söllner Communications, einer PR-Agentur aus München. In ihrem Praktikumsbericht spricht sie über ihr Jurastudium und warum sie sich für ein Praktikum in einer eher ungewöhnlichen Branche entschieden hat.

Alexandra Schäfer, 25 Jahre
Zur Zeit des Praktikums Jurastudentin. Bei Söllner Communications war Alexandra von 2012-2014 zunächst als Praktikantin, dann als Werkstudentin tätig.


Seit den 1970er Jahren ist Söllner Communications AG als Kommunikationsagentur tätig. Als solche betreut sie Kunden bei der Markenausrichtung und dem damit verbundenen Marketing.