Mein Praktikum bei MÜLLER

"Einkauf ist kein Online-Shopping"

Daria Behrens berichtet | 28.12.2016 | Foto: Steffi Biel

Das Work in Germany-Programm kam wie gerufen für mich. Denn noch während des Abiturs hatte ich Pläne gemacht: Nach der großen Anstrengung wollte ich erstmal ein bisschen entspannen und reisen – und dann auf jeden Fall NICHT direkt studieren, das stand für mich fest.

Um meine Möglichkeiten auszuloten, besuchte ich im Dezember letzten Jahres eine schulische Informationsveranstaltung der Bundesagentur für Arbeit. Unter anderem erfuhr ich dort vom Job- und Ratgeberportal karriere.de. Das war reiner Zufall! Ich sah mich auf der Plattform um und mir fiel das Programm Work in Germany ins Auge.

Was ich reizvoll fand: Ähnlich wie Work & Travel, Freiwilligendienste oder Au-Pair-Jobs ist das Work in Germany-Programm auf einen festgelegten Zeitraum begrenzt. Es läuft ein Jahr – und in dieser Zeit macht man vier verschiedene Praktika in vier verschiedenen Unternehmen in ganz Deutschland. Alles Fair Companies übrigens! Wichtig war für mich, dass ich mit einer Teilnahme keine starre Verpflichtung einging und bei einem zwischenzeitlichen Ausbildungsangebot oder einer frühzeitigen Studienplatzzusage jederzeit aussteigen konnte. Das gab mir ein gutes Gefühl. Hinzu kam, dass mir vier Praktikumszeugnisse in Aussicht gestellt wurden plus ein Work in Germany-Zertifikat über die Teilnahme an diesem wertvollen Programm.

Ich habe genau eine Nacht überlegt und dann sofort die Bewerbung geschrieben. Um genau zu sein: Ich habe ein kleines Motivationsschreiben verfasst und einen Fragebogen ausgefüllt. Das war es schon.

Als ich ein paar Tage später die Antwort erhielt, bin ich in die Luft gesprungen: Ich konnte es kaum glauben: Ich war angenommen!

Aha-Erlebnisse: Arbeitsleben kannte ich schon ein bisschen durch den Job meiner Mutter, die in einem juristischen Verlag beschäftigt ist. Da habe ich mal im Büro ausgeholfen. Aber jetzt musste ich als Erstes umziehen: Es ging nach Ulm – zur Müller Holding Ltd. & Co. KG, teilte mir die Betreuerin des Work in Germany-Programms, Frau Biel, mit. Dieses Handelsunternehmen ist vor allem mit seinen Drogeriefilialen in Süddeutschland präsent, arbeitet aber international und hat rund 35.000 Mitarbeiter. Es verkauft auch Multi-Media-Artikel, Parfümerie-Produkte, Spiel- und Schreibwaren sowie Haushaltswaren. Die Sortimentsvielfalt beträgt circa 185.000 Artikel. Und dafür sollte ich nun im "Einkauf" tätig werden, wie ich von meiner Betreuerin bei Müller, der Personalreferentin Corina Bauer, erfuhr. Ehrlich gesagt, konnte ich mir nicht so wirklich etwas darunter vorstellen. Ich dachte da eher an Online-Shopping. Aber genau das ist es nicht. Und auch der Acht-Stunden-Tag überraschte mich: Es ist komplett anders als der Schulalltag, der ja auch ganz schön lang sein kann. Dass man aber nach einem Bürotag so kaputt ist, hätte ich nicht gedacht. Arbeit ist wirklich mühevoll.

Die ersten Wochen: Dieses große mittelständische Unternehmen Müller hat mich neugierig gemacht. Jetzt wollte ich unbedingt die Unternehmensstrukturen kennenlernen.

Seit April wusste ich, dass ich nach Ulm komme, und konnte eine Unterkunft suchen. Zuerst habe ich eine WG ausfindig gemacht, die mich dann aber nicht angesprochen hat. Zum Glück wohnt eine meiner Tanten in der Nähe, die hat mir schließlich angeboten, für die Dauer des Praktikums – drei Monate – zu ihr zu ziehen. Ich muss schon sagen: Eine Wohnung zu suchen ist eigentlich das Schwierigste. Man muss sich durch viele Anzeigen kämpfen und Kompromisse eingehen.

Ansonsten war alles sehr einfach: Bei Work in Germany ist man in guten Händen und muss so kurz nach der Schule nichts selbst organisieren.

Frau Bauer hat mich bei Müller freundlich empfangen und mich den Kollegen im Einkauf vorgestellt. Die Kollegen waren sehr geduldig und haben mir alles ausführlich erklärt. Am Anfang war das eine echte Herausforderung – und ich habe auch Fehler gemacht. Beim Arbeiten mit einer Excel-Liste zum Beispiel. Zwar konnte ich meine Vorkenntnisse aus der Schule und aus einem zusätzlichen Computerkurs anwenden. Aber mittlerweile kann ich wirklich damit arbeiten.

Auch ins Warenwirtschaftssystem bin ich schon eingewiesen und mache Gegenprüfungen. Eine meiner Lieblingsaufgaben ist es, Bestellungen freizugeben. Ich bekomme dann eine Auftragsliste von meinem Chef, stelle einen Warenkorb zusammen und klicke auf "Bestellen". Das ist aufwendiger, als es sich anhört, und ich bin dafür verantwortlich, was bei den Lieferanten ankommt.

Aufgaben und Atmosphäre: Insgesamt ist "Einkauf" ein langwieriger Prozess: Die Kollegen fahren zu Messen auf der Suche nach interessanten Produkten, anschließend geht es zum Beispiel um besondere Farbwünsche und die Möglichkeit zur Änderung. Das muss mit den Lieferanten abgesprochen werden, denn die Waren werden extra für uns produziert. Es werden Vorabmuster erstellt, Verpackungen besprochen, Bestellungen getätigt und die Lagerkapazität festgelegt. Es macht Spaß bei all diesen Tätigkeiten mitwirken zu dürfen, bis das Produkt schließlich in den Filialen erscheint. Man unterstützt die Kollegen wirklich und arbeitet nicht nur zu.

Zur Arbeitsatmosphäre muss ich feststellen, dass es für mich seltsam war, plötzlich von allen mit "Frau Behrens" angesprochen zu werden. Mittlerweile bin ich mit meinen direkten Kollegen beim Du. Im Gegensatz zu einem während der Schulzeit absolvierten Betriebspraktikum in einer TV-Produktionsfirma empfinde ich das jetzige Praktikum bei Müller als wesentlich persönlicher. Ich spüre einen Hauch von Familiärem, obwohl alles so groß ist. Gut finde ich auch, dass ich von meinem Fenster aus das Büro des Geschäftsführers und Inhabers Erwin Müller sehen kann.

Die Zukunft: Mein nächstes Praktikum im Rahmen des Work in Germany-Programms führt mich zur Firma Jungheinrich nach Hamburg. Ich bin gespannt, welche Herausforderungen da auf mich zukommen. Dieses Unternehmen macht etwas völlig anderes, denn es ist ein international tätiger Logistiksystem-Anbieter für Flurförderzeug-, Lager- und Materialflusstechnik.

Mein Wunsch ist es, nach dem "praktischen Jahr" BWL zu studieren. Am liebsten in Frankfurt, Bayreuth oder Maastricht, denn diese Universitäten haben alle einen guten Ruf. Ich liebe meine Heimatstadt Köln, möchte aber auch mal etwas anderes sehen. Deshalb gefällt mir auch Work in Germany so gut. Wichtig ist mir, dass die Unis international ausgerichtet sind und Austauschprogramme anbieten.

Meine ersten praktischen Erfahrungen tragen übrigens schon Früchte: Denn mir ist bewusst geworden, dass ich gerne einen Beruf ausüben möchte, bei dem ich nicht den ganzen Tag am PC sitze, sondern auch kreativ sein kann.

Mein erster Eindruck vom Work in Germany-Programm: Gut finde ich, dass man Standards zugesichert bekommt:

  • Man lernt was.
  • Man bekommt ein Zertifikat.
  • Der Betreuungsservice ist angenehm, auch am Telefon ist immer jemand erreichbar.
  • Man bekommt Geld.

Die Bezahlung erfolgt durch die jeweiligen Praktikums-Unternehmen. Je nach Höhe der Wohnkosten, ist die Vergütung bisweilen etwas knapp, da muss man schon Zeit in die Wohnungssuche investieren, damit genug übrig bleibt. Zum Glück unterstützt mich meine Mutter noch mit einem Taschengeld. Auch Urlaub steht einem bei den vier Praktika zu. Meinen Anspruch von fünf Urlaubstagen habe ich in verlängerte Wochenenden umgesetzt.

Mir gefällt, dass Work in Germany zudem Rücksicht auf individuelle Wünsche nimmt. Als echte Kölnerin feiere ich zum Beispiel gerne Karneval. Da ein Praktikumswechsel genau in diese Zeit fällt, wurde mir die Zwischenzeit quasi ein bisschen verlängert. Der Spielraum ergibt sich unter anderem aber auch daraus, dass die meisten Unternehmen Praktika mit einer Laufzeit von 12 Wochen anbieten. Bei vier Praktika bleibt so ein Puffer von vier Wochen. Die restliche "Freizeit" kann ich am Ende noch gut gebrauchen, denn ich möchte pünktlich zum Wintersemester 2017/18 in mein Studium starten.

Daria Behrens macht ihr Praktikum bei Müller im Rahmen des Work in Germany-Programms.

Daria Behrens, 18
wollte nach dem Abitur in Köln nicht direkt studieren und entschied sich deshalb für eine Deutschlandtour der besonderen Art: Mit Hilfe des Work in Germany-Programms macht sie vier Praktika bei vier Unternehmen und findet so Orientierung für die Zukunft. Erste Starthilfe gab ihr das Handelsunternehmen Müller in Ulm.


Als mittelständisches Handelsunternehmen mit Stammsitz in Ulm beschäftigt die Müller Holding Ltd. & Co. KG mittlerweile weltweit 35.000 Mitarbeiter. Junge Menschen sollen in Praktika einen umfassenden Einblick ins Unternehmen erhalten, so dass sie selbst herausfinden können, wo ihre Interessen und Stärken liegen.